Macdonald warehouse - Lot N5 and S6

Macdonald warehouse - Lot N5 and S6

XDGA + FAAOMA (Office for Metropolital Architecture)

KATALYSATOR FÜR DEN WANDEL

 

Das 617 Meter lange Macdonald Warehouse hätte ein echtes Hindernis für die Erneuerung des am Rande von Paris gelegenen Quartier werden können. Doch stattdessen wurde es zum Impulsgeber für ein lebhaftes, modernes Viertel im Wandel.

Als eine der am dichtesten bebauten Städte Europas benötigt Paris immer noch Tausende von Wohnungen. Deshalb richtet sich das Augenmerk nun auf bisher unbeachtetes Land – insbesondere in Bereichen, die aufgrund von Industrieanlagen und mangelhaften Infrastrukturnetzen von der Innenstadt abgeschottet sind. Im Jahr 2001 nahm der Stadtrat eine Reihe dieser Enklaven in sein Reformprojekt „Grand Paris“ auf.

 

Der 200 Hektar große Sektor Paris Nord-Est war bis dato eine Mischung aus Verkehrsachsen, Logistik- und Industrieflächen mit Sozialwohnungen und einigen wenigen öffentlichen Einrichtungen. Das 1979 von Marcel Forest entworfene Macdonald Warehouse ist das längste Logistikgebäude Paris’ und gehörte zu den „städtischen Barrieren“, die den Bezirk isolierten. Als es 2006 zum Verkauf angeboten wurde, tat sich die Stadt mit ihrem altbewährten Partner für Investitionen in Projekte von öffentlichem Interesse, der Caisse des Dépôts zusammen, um die Lagerhalle in einen mikrourbanen Komplex mit 1.126 Wohneinheiten sowie Büroräumen, Schulen und Ladengeschäften auf 210.000 Quadratmetern zu verwandeln.

 

„Das Vorhaben hat direkten Einfluss auf das gesamte Gebiet; es bietet Grundlage für alles, was in der Nachbarschaft geschieht“, weiß Camille Picard, Managing Director von ParisNordEST, bei der mit dem Projekt beauftragten Caisse des Dépôts. „Ohne die Umgestaltung hätte der Bau einer neuen Entwicklungszone auf der anderen Straßenseite nicht begonnen, da sich Wohnungen und Büroräume, die auf eine Lagerhalle zeigen, kaum vermieten lassen.“

Die außergewöhnliche Länge des ursprünglichen
Baus wurde durch verschiedene Strukturen ergänzt.

Ein dynamischer Ort

Mit Aufnahme des vollständigen Betriebs wird das „Macdo“ einen wesentlichen Beitrag zu fast allen Programmen leisten, die erforderlich sind, um Paris Nord-Est zu einem dynamischen und lebenswerten Wohngebiet zu machen. Es hat bereits den Bau einer S-Bahn-Station beschleunigt und die Erweiterung der Metrolinie ermöglicht, die nun direkt durch das Gebäude führt.

 

Im Masterplan, der bekannten Architekturbüros OMA (Office for Metropolitan Architecture) und FAA (Floris Alkemade Architect), wurde die außergewöhnliche Länge des ursprünglichen Baus beibehalten und für moderne Aspekte und Diversität durch verschiedene Strukturen ergänzt. Der Kunde wusste diese beeindruckende Flexibilität zu schätzen: „Wir haben acht Lösungen präsentiert, um zu zeigen, dass innerhalb eines Programms verschiedene Optionen möglich sind“, erklärt Alkemade, der gemeinsam mit dem Architekten Xaveer De Geyter von XDGA für die Koordination des Gesamtprojekts zuständig ist. „Nach dem Gewinn des Wettbewerbs behielten wir das Grundprinzip bei, begannen jedoch wieder von vorn und entwickelten ein Modell, das alle Anforderungen des Kunden und sämtliche Vorschriften berücksichtigt.“

 

Um die Koordination von fünfzehn Architekturbüros zu meistern, die jeweils für bestimmte Flächen zuständig waren, stellte das Team eine Reihe von Regeln auf, die ein optimales Verhältnis von Einheitlichkeit und kreativer Freiheit gewährleisten. Da die Wohnanlage genau zur Hälfte auf Sozial- und Privatwohnungen aufgeteilt ist, war es zudem wichtig, ästhetische Standards festzulegen, um sichtbare Unterschiede zwischen beiden Kategorien zu verhindern.

 

Die Architekturbüros FAA + XDGA entwarfen die Gebäude N5 und S6 einschließlich des Brückengebäudes über den Bahngleisen.

CF 77 kommt bei deckenhohen faltbaren Türen zum Einsatz, die Wohnbereiche mit Loggien verbinden.

Einfache, aber robuste Lösung

FAA und XDGA gestalteten die verwobene Fassade des gesamten Erdgeschosses, das „Brückengebäude“ über den Bahngleisen, die Außenbereiche und die beiden Wohngebäude in den Ecken des Innenhofs. „Auf der Suche nach einer einfachen, aber überzeugenden Lösung, entwickelten wir ein Muster für beide Blöcke, auf dessen dreidimensionaler Verkleidung sich der Himmel spiegelt, um der Fassade Tiefe zu verleihen“, verrät Milena Wysoczynska, Architektin und Projektmanagerin bei der Pariser Agentur XDGA-FAA.

 

Leistung, Kosten und technische Aspekte waren die wesentlichen Faktoren bei der Auswahl der verschiedenen Reynaers-Produkte. Das CF 77-System, dessen Faltelemente mit verborgenen Dichtungen, für eine besonders klare Optik sorgen, erwies sich als effizienteste Lösung und passt ästhetisch zu den deckenhohen faltbaren Türen, die die Wohnbereiche mit den Loggias verbinden. Gleichzeitig fügt sich das schlichte Design der großen XS 68-Fenster perfekt in die rhythmisch gegliederte Fassade ein.

 

Milena Wysoczynska (XDGA + FAA)

XDGA + FAA

 

Die Deutsche Milena Wysoczynska wurde 1976 in Polen geboren. Im Rahmen ihres Studiums an der Technischen Universität Braunschweig, Verbrachte sie ein Jahr an der Ecole d’Architecture Paris-Villemin in Frankreich. Zu den europäischen Architekturbüros, für die Wysoczynska tätig war, gehören Szyszkowitz-Kowalski, R&Sie, Manuelle Gautrand Architects und OMA. Seit 2008 leitet sie die Pariser Niederlassung von Floris Alkemade Architect + Xaveer de Geyter Architects. Als Projektmanagerin des Macdonald Warehouse, das 2016 fertiggestellt werden soll, überwacht sie das Städtebauprojekt und koordiniert die Zusammenarbeit der 15 Architektenteams an den 23 Projekten. Ihr Motto: „Das Leben ist zu kurz, um es für schlechte Projekte zu vergeuden.“

FAA - Floris Alkemade Architect

FAA – FLORIS ALKEMADE ARCHITECT

 

Floris Alkemade wurde 1961 in den Niederlanden geboren und studierte an der Technischen Universität Delft. Er arbeitete 18 Jahre bei OMA, wo er 2001 zu einem der Geschäftsführer und Partner ernannt wurde. 2008 gründete er sein eigenes Büro. Zurzeit arbeitet FAA am Umbau des Macdonald Warehouse sowie an einem Wohnungsbauprojekt in der Pariser Vorstadt Boulogne Billancourt mit Béal-Blanckaert, an Masterplänen für den Paris Saclay-Campus sowie am neuen Entwicklungsgebiet Les Ardoines – einer der zukünftigen Haltestellen des Grand Paris Express. Seit September 2015 kombiniert Alkemade seine Arbeit bei FAA mit der Tätigkeit als Generalbaumeister für die Niederlande (Rijksbouwmeester). Er gibt Platos „Alles fließt, nichts besteht“ als Motto an.

Camille Picard (Caisse des Dépôts)

CAISSE DES DÉPÔTS

 

Camille Picard wurde 1978 in Frankreich geboren. Sie studierte Stadtökonomik an der ESSEC Business School in Frankreich und der Bocconi Universität in Italien. Zudem besitzt sie einen Master in Politikwissenschaften von der Sorbonne und einen Master in Stadtplanung vom Sciences Po. Seit 2012 ist Picard Geschäftsführerin der von der Caisse des Dépôts SAS gegründeten ParisNordES T. Für letztere ist sie auch als Managerin für komplexe Projekte tätig. Der Investor leitet einen großen Beitrag zur Erschließung des Gebiets, indem er für öffentliche Zwecke genutzte Sparanlagen verwaltet und zur Finanzierung entsprechender Projekte wie sozialem Wohnungsbau und öffentlichem Personenverkehr einsetzt. Picards Credo lautet: „Man sollte die Messlatte von Beginn an hoch ansetzen und unter keinen Umständen senken.“

Verarbeiter: 
Alu Concept
Architekt: 
XDGA + FAAOMA (Office for Metropolital Architecture)
Ort: 
Paris, Frankreich View on map
Fotograf: 
Eric Sempé – SPIKSTUDIO
andere Partner: 
benutzt Reynaers Systeme: